Fifa: Ahmad Ahmad fünf Jahre gesperrt

0
0
Fifa: Ahmad Ahmad fünf Jahre gesperrt



Beim Fifa-Wahlkongress in Paris, Anfang Juni 2019, hatte Gianni Infantino einen echten Schenkelklopfer parat. Der Fußball-Weltverband, erzählte dessen Präsident, habe sich unter ihm aus der kriminellen Vergangenheit gelöst und in einen Musterfall für Ethik und Geschäftsintegrität verwandelt. “Niemand spricht heute mehr über Skandale oder Korruption!”, rief Infantino. Und während der Applaus der Funktionärswelt durch die Messehalle brauste, bereiteten ganz in der Nähe die Beamten des Pariser Zentralbüros für Korruption (Oclif) den nächsten Zugriff auf der Fifa-Chefetage vor. Im Visier hatten sie Infantinos Getreuesten. Ahmad Ahmad, den Boss des Afrika-Verbandes Caf.Am Morgen darauf nahmen sie den Madagassen im Fifa-Lodge fest, es folgte ein ganztägiges Verhör. Die Ermittler spürten Ahmads Rolle bei einem teuren Deal mit einer Ausrüsterfirma nach, die mit einem Freund von ihm verbandelt struggle. Jetzt sorgte dieses Geschäft, neben vielen anderen finanziellen Ungereimtheiten, dafür, dass das Fifa-Ethikkomitee den Caf-Präsidenten für fünf Jahre sperren musste; zuzüglich einer Geldstrafe von 200 000 Franken. Ahmad, teilt die Fifa am Montag mit, habe “Loyalitätspflichten verletzt, Geschenke und sonstige Vorteile angeboten, Gelder veruntreut und seine Stellung als Caf-Chef missbraucht”.Seit der Pariser Polizeiaktion suchte Infantino Distanz zu seinem Afrika-Statthalter. Zwar hatte Ahmad schon vor Infantinos Amtsantritt 2016 Ethik-Ermittlungen am Hals, aber als Stimmbeschaffer auf dem Kontinent struggle er ziemlich hilfreich. Überdies führte er Infantino damals eine gute Freundin zu, mit der er als Fischereiminister Madagaskars beste Erfahrungen gemacht hatte: Fatma Samoura, Mitarbeiterin im UN-Hilfsprogramm.Die Senegalesin hatte rein gar nichts mit Fußball am Hut; womöglich führte genau das zum Karrieresprung der UN-Mitarbeiterin ins mit einem Millionensalär dotierte Chefbüro des Weltfußballs: Infantino machte sie zur Generalsekretärin. Und Monate später kam in Afrika auch der Dritte im Bunde ans Ziel. Mit diskreter Wahlhilfe der neuen Fifa-Spitze löste Ahmad den langjährigen Caf-Präsidenten Issa Hayatou ab.Ahmads Regime führte den Kontinent in die Spaltung. Manche absurde Entscheidung wie die Kündigung eines bis 2024 laufenden TV-Vertrages mit dem Pariser Rechtekonzern Lagardère im Herbst 2019 fand offenbar den Segen der Fifa. Lagardère erwog Klage, am schwersten aber hat sich damit wohl der Caf selbst geschadet: Es findet sich partout kein Interessent, der die entstandene Milliardenlücke schließen will.Nach Ahmads Festnahme am Rande der Frauen-WM 2019 und angesichts immer mehr Anzeigen von Caf-Mitarbeitern wurde der Fifa-Spitze klar, dass es mit diesem Kameraden nicht weitergehen konnte – aber einfach fallen lassen konnte sie Ahmad offenbar auch nicht. Sie verfiel auf eine abenteuerliche Idee. Im August 2019 setzte die Fifa in Abstimmung mit Ahmad dessen alte Bekannte Samoura als faktische Chefin über den chaotischen Caf ein.Die Fifa-Generalsekretärin musste sogar in die Caf-Zentrale nach Kairo umsiedeln. Kritiker geißelten dies als postkolonialen Akt; nach Ablauf des sechsmonatigen Intermezzos wurden die Fifa-Konquistadoren mit klaren Worten vor die Tür gesetzt.



Supply hyperlink

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.