»Fifa 21«: Das sagt Streamer TimKalation über die Szene der »FUT«-Dealer

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»Fifa 21«: Das sagt Streamer TimKalation über die Szene der »FUT«-Dealer


Kein Videospiel verkauft sich in Deutschland Jahr für Jahr häufiger als »Fifa«. Doch einigen Spielern und Spielerinnen geht es in der Simulation gar nicht um Fußballpartien. Sie träumen von virtuellen Millionen und überlegen, wie viel echtes Geld sie nachschießen sollten – in ein Spiel, das standardmäßig bereits 70 Euro kostet.

Das Ganze passiert im On-line-Modus »Fifa Final Workforce« (»FUT«), in dem Spielende versuchen, mit Profis aus realen Mannschaften »ultimative« Fantasieteams aufzubauen. Mit diesen treten sie dann gegen andere an – so jedenfalls ist das gedacht. Je besser diese Fantasieteams, desto höher die Siegeschance. Doch die ganz großen Namen sind nicht leicht zu ergattern.

Ihre Mannschaften basteln Spieler auf Grundlage sogenannter Spielerkarten zusammen. Vergleichbar mit Panini-Tütchen lassen sich die hier rein digitalen »Packs« aufwendig erspielen, aber auch kaufen. Welche Profis man bekommt, ist dabei stets Glückssache. Selbst hochwertigere Packs, deren Öffnen umgerechnet 1,50 Euro, manchmal auch 20 Euro kostet, enthalten quick nie den Wunschkicker.

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»Promo-Packs« in »Fifa 21« kosten auch mal um die 20 Euro: Die Packs lassen sich mit erspielten Cash freischalten, aber auch mit sogenannten Fifa-Factors, die mit Echtgeld gekauft werden

Foto: Digital Arts

Gezielt verpflichten lassen sich Profis nur über ein virtuelles Auktionshaus. Wie bei Ebay gibt es Mindestgebote und Sofortkäufe, Spieler können so potenzielle Bankdrücker verscherbeln und nach Stars zum Schnäppchenpreis suchen. Gezahlt wird dabei mit Cash, einer »FUT«-Währung, an die man durch On-line-Partien kommt – oder eben durchs Feilbieten seiner Pack-Inhalte.

Tipps fürs sogenannte Buying and selling in »FUT« finden sich on-line zuhauf: in Streams und Movies, in Social-Media-Kanälen und -Gruppen nur zu diesem Thema und sogar in E-Books. Der SPIEGEL hat mit TimKalation, einem Twitch-Streamer, der seit 2009 »FUT« spielt, über die Szene gesprochen.SPIEGEL: Manche »FUT«-Spieler inszenieren sich als »Dealer«. Wen würden Sie so nennen?TimKalation: Spieler, die Spielerkarten mit Gewinnabsicht kaufen – additionally dafür, um sie zu einem höheren Preis weiterzuverkaufen. Ich schätze, wirklich tief im Thema Buying and selling sind nur zehn Prozent aller »Fifa«-Käufer, wenn überhaupt.SPIEGEL: »FUT«-Tradern geht es additionally nicht darum, erworbene Spieler in ihrem Workforce einzusetzen?

TimKalation: Es gibt Dealer, die spielen professional Jahr vielleicht zehn On-line-Partien. Entscheidend ist für sie ihre Coin-Zahl und der Erlös, den sie auf dem Transfermarkt erzielen. Manche traden aber auch, um Geld zu sparen: Sie erhandeln Spieler, anstatt Packs zu kaufen.SPIEGEL: Schindet es Eindruck, wenn man »Coin-Millionär« ist?TimKalation: Auf jeden Fall. Durchs reine Spielen wird man in »FUT« nie Millionär, das dauert zu lange. Du musst schon intestine traden oder Geld ausgeben. Wenn du aber keine Packs kaufst und trotzdem Millionen Cash auf dem Konto hast, beeindruckt das viele »FUT«-Spieler. Die wollen wissen, wie das geht. Schon hat man neue Follower.

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Foto: Tim Kalation

TimKalation, 40, ist selbstständiger Unternehmensberater und seit intestine fünf Jahren Streamer auf Twitch. Auf der Livevideo-Plattform folgen ihm mehr als 60.000 Nutzerinnen und Nutzer, einige Hundert davon unterstützen ihn durch Abos finanziell. Die meisten Movies von TimKalation drehen sich um das populäre Fußballspiel »Fifa«, dessen aktuelle Model »Fifa 21« ist. Zu den Vorgängern »Fifa 20«, »Fifa 19« und »Fifa 18« hat der Fan des 1. FC Köln jeweils weit mehr als 1000 Stunden reside gestreamt. TimKalation ist ein Pseudonym.

SPIEGEL: Wer sich übers »Fifa«-Buying and selling informiert, stößt auf Fachbegriffe wie »Snipen« oder »59-Minuten-Methode«. Wie kompliziert ist das alles?TimKalation: Solche Buying and selling-Methoden sollte man sich aneignen, dafür reichen kostenfreie On-line-Erklärungen. Genauso wichtig ist es aber, ein Gespür für den Markt zu bekommen: dafür, welche Karten ich kaufen und wie lange halten muss, um sie mit Gewinn loszuwerden.SPIEGEL: Hilft dabei Fußballwissen?TimKalation: Nicht wirklich. Nur, weil ein Spieler in der Realität beliebt oder talentiert ist, heißt das nicht, dass seine »FUT«-Karte gefragt ist. Die begehrteste Karte ist zum Beispiel der Brasilianer Ronaldo, ein ehemaliger Spieler additionally. Seine Karte ist so viel wert, umgerechnet vielleicht 2000 Euro, dass sie vermutlich kein Besitzer einfach so verkauft, weil es für sie in »FUT« eine Preisgrenze in Höhe von 15 Millionen Cash gibt. Für Ronaldo müsste man mehr kriegen.

SPIEGEL: Woher weiß ich, welche Preise angemessen sind?TimKalation: Auf der Web site FUTBIN.com findet man aktuelle Marktpreise für jede Karte auf jeder Plattform, additionally Ps, Xbox und PC. Das gibt Orientierung. Klicke ich auf »Market Gross sales Historical past«, sehe ich auch, was eine Karte an welchem Wochentag oder zu welcher Uhrzeit wert warfare. Das erinnert an Aktienkurse.

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Der Transfermarkt in »FUT«: Zu diesem Zeitpunkt gab es mehr als 5,8 Millionen On-line-Angebote

Foto: Digital Arts

SPIEGEL: Hat der »FUT«-Transfermarkt viel mit der Börse gemein? Entwickler EA hat den Markt doch völlig in der Hand.TimKalation: EA sitzt am Hebel. Ein guter Dealer sollte daher auch wissen, wann die Firma neue Karten in den Markt bringt, und das in seine Abwägungen einbeziehen.SPIEGEL: Während man Aktien über Jahre halten kann, erscheint jährlich ein neues »Fifa«. Da geht es immer von Null los, alle Cash und Superstars bleiben im alten Spiel.TimKalation: Für Außenstehende muss das absurd sein, dass die Spieler, die teils Hunderte Euro professional Jahr in »FUT« stecken, das so hinnehmen. Aber viele freuen sich offenbar, wieder von vorne zu beginnen und etwas aufzubauen. Und jedes »Fifa« bietet auch ein paar neue Karten und Spielmechaniken.SPIEGEL: Der Kauf und Verkauf von Cash, der Währung für den Transfermarkt, ist offiziell untersagt. Aber wer »Fifa 21 Cash« googelt, hat sofort Kaufangebote vor der Nase.TimKalation: Es gibt Wege, sich Cash zu kaufen oder sie an Dritthändler zu verkaufen. Für 100.000 Cash zahlen die ungefähr fünf bis sieben Euro. Die Cash werden dann zum Beispiel transferiert, indem Karten zu überhöhten Preisen gekauft werden.

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Google-Anzeigen zum Kauf von Cash: Die Angebote sind zahlreich

Foto: Google

SPIEGEL: Durch Buying and selling lässt sich so auch echtes Geld verdienen?TimKalation: Der Coin-Handel ist ein riesiges eigenes Enterprise. Wer wenig Hemmungen hat, kann sich so mit einigen Monaten Buying and selling einen Urlaub erspielen. Ich würde aber die Finger davon lassen. Wenn EA jemanden erwischt, wird sein Account gesperrt.SPIEGEL: Die »Fifa«-Neighborhood hat den Ruf, toxisch zu sein. Gilt das auch fürs Buying and selling?TimKalation: Die Umgangsformen werden jedes Jahr rauer. Es geht eben auch um Geld, um Klicks auf Twitch oder YouTube. Wer hat die besten Methoden, wer die höchsten Erlöse? Das ist ein Wettstreit, bei dem unschöne Dinge passieren. Da behauptet vielleicht jemand, er habe kein Geld in Packs gesteckt, hat es heimlich aber doch getan.

SPIEGEL: Ist es nicht auch jenseits des Buying and selling unfair, dass »FUT«-Spieler, die mehr Geld ausgeben, ihre Probability auf ein gutes Workforce und somit mehr Siege erhöhen können?TimKalation: Auf dem Platz ist das Spielverständnis das Wichtigste. Deine Großmutter dürfte wohl auch mit dem bestmöglichen Workforce nicht gegen dich gewinnen. Aber klar, es macht einen Unterschied, ob in einer entscheidenden Scenario Cristiano Ronaldo schießt oder jemand vom 1. FC Köln.SPIEGEL: Wenn Ronaldo abzieht, geht der Ball eher rein?TimKalation: In den »Fifa«-Partien gibt es eine eingebaute Varianz, Zufallsmechanismen. Jeder kann auch mal vorbeischießen, selbst mit einem Ronaldo. Mit dem passiert so etwas aber seltener. In »FUT« zählt additionally tatsächlich nicht nur dein Können, sondern indirekt auch, wie viel Zeit oder Geld du investiert hast.SPIEGEL: Wo bleibt der Aufstand der Spieler dagegen?TimKalation: Es gibt nur Stürme im Wasserglas, auch weil Alternativen fehlen. »Fifa« ist der Marktführer, der Konkurrent »Professional Evolution Soccer« ist viel unbedeutender. Und außerdem macht das Öffnen der Packs vielen Freude. Das ist nicht von ungefähr ans Glücksspiel angelehnt, man träumt vom Jackpot.

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Mal kurz 100 Euro nachschießen? Fifa Factors zum Pack-Öffnen lassen sich direkt im Spiel kaufen

Foto: Digital Arts

SPIEGEL: Manche Influencer stecken Tausende Euro in »FUT«-Packs, um diese in ihren Streams zu öffnen.TimKalation: Diese Movies sind beliebt, das ist ein Rechenspiel. Wer 10.000 Euro ausgibt, kriegt durch Klicks, Werbung und so weiter vielleicht 20.000 Euro wieder rein. So kommt es, dass einige Streamer zwar über die Preise und Inhalte der »FUT«-Packs oder über »Fifa« allgemein schimpfen, aber trotzdem weiter mitmischen.SPIEGEL: Wie viel geben Sie für Packs aus?TimKalation: Keinen Cent.SPIEGEL: Weil Sie ein guter Dealer sind?TimKalation: Die Probability, durch ein Pack einen Celebrity zu bekommen, ist verschwindend gering. Es kann passieren, dass man Tausende Euro ausgibt und trotzdem nie einen Cristiano Ronaldo zieht. Das ist ein Drawback, erst recht für Menschen, die psychological anfällig für Suchtmechanismen sind.

SPIEGEL: EA verdient mit »FUT« jedes Jahr Hunderte Millionen Euro. Freiwillig werden die ihr Geschäft nicht ausbremsen.TimKalation: Ich finde, sie müssten kalkulierbarer machen, was man für sein Echtgeld rausbekommt. Das sollte nicht nur vom Glück abhängen.SPIEGEL: Wer 100 Euro zahlt, sollte auch Profis im Wert von 100 Euro bekommen?TimKalation: So ungefähr, ja. Man muss sich das mal überlegen: In der Szene der enthusiastischen »FUT«-Spieler sind 100 Euro momentan nichts. Selbst 1000 Euro Investition in »FUT« gelten noch als okay. Professional Jahr! Das ist doch Wahnsinn.



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