Angst vor Job- und Qualitätsverlust – Swisscom lagert Callcenter-Jobs in den Kosovo aus

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Angst vor Job- und Qualitätsverlust – Swisscom lagert Callcenter-Jobs in den Kosovo aus



Publiziert15. Oktober 2021, 19:08Der Telecom-Konzern in halbstaatlichem Besitz lagert Arbeitsplätze im Name-Heart erstmals ins Ausland aus. Angestellte fürchten um ihren Arbeitsplatz. Der Kundenservice droht schlechter zu werden.1 / 8Swisscom baut in einem Pilotversuch ein Name-Heart im Kosovo auf.20min/Simon GlauserJetzt geht deshalb bei den Angestellten die Angst vor Jobverlust um.20min/Matthias SpicherSie sind sauer, dass ausgerechnet die halbstaatliche Swisscom Arbeitsplätze von der Schweiz abzieht.20min/Matthias SpicherZum ersten Mal lagert die Swisscom Arbeiten ins Ausland aus.Der halbstaatliche Betrieb errichtet ein Name-Heart im Kosovo.Jetzt sind die Angestellten sauer und haben Angst.Bei Swisscom tobt ein Shitstorm. Die Angestellten im Name-Heart sind empört, denn die Firma in halbstaatlichem Besitz lagert zum ersten Mal Arbeiten nicht in der Schweiz aus, sondern geht mit einem Outsourcingpartner ins Ausland.So plant Swisscom ab März 2022 einen Pilotbetrieb im Kosovo mit 45 Mitarbeitenden. Mit dem Name-Heart in der Balkanrepublik will die Firma die Kundenanliegen «möglichst effizient und kostengünstig» bearbeiten, wie es in einer Nachricht an die Mitarbeitenden heisst, die 20 Minuten vorliegt.«Wir haben Angst um unsere Arbeitsplätze»«Jahr für Jahr verlieren wir Umsatz und sind darum gefordert an unseren Kostenstrukturen zu arbeiten», heisst es dort. Doch der Konzern verschweigt dabei, dass er jedes Jahr aufs Neue einen Gewinn in Milliardenhöhe erzielt.Darauf gab es Dutzende wütende Nachrichten von Angestellten, wie ein Information-Scout berichtet, der im Kundenservice von Swisscom arbeitet. «Wir haben Angst um unsere Arbeitsplätze. Wir sind masslos enttäuscht, dass ein Schweizer Konzern in Staatshand die Schweiz schwächt und ins Ausland abhaut», sagt er.Zweifel um Arbeitsbedingungen und QualitätDie Arbeitsbedingungen seien im Kosovo sicher nicht vergleichbar wie in der Schweiz, in der es einen Tarifvertrag für die Angestellten gibt. Ausserdem bezweifelt er, dass die Servicequalität im Name-Heart gleich bleibt, wenn die Angestellten weit weg in Südeuropa sitzen.Swisscom schreibt hingegen im Temporary an die Angestellten, dass der Anspruch an «Companies aus der Schweiz» abnehme. «Wo der Mitarbeitende sitzt, bewegt die Kunden weniger. Was zählt ist die Servicequalität», heisst es da.«Das ist das Letzte von der Swisscom»Ganz anderer Meinung ist Telecom-Experte Jean-Claude Frick von Comparis. «Ich finde es gefährlich und schädlich, den Kundenkontakt ins Ausland auszulagern», sagt Frick. Zwar könne Swisscom mit den billigen Arbeitskräften viel Geld sparen, zahle auf Dauer aber drauf. «Die Leute im Kosovo sind nicht nah am täglichen Geschehen, darunter leidet die Qualität.»Frick findet, dass der Kunde das nicht akzeptieren sollte. «Bei einem Billiganbieter nimmt man einen schlechten Service eher in Kauf. Aber bei einem Premiumanbieter wie Swisscom, der uns allen gehört, ist das das Letzte.» 51 Prozent der Swisscom-Aktien gehören dem Schweizer Staat. Der Konzern habe wegen zuletzt vieler Pannen im Netz ohnehin bereits Mühe, die hohen Preise zu rechtfertigen.Nur externe Angestellte von Partnerfirmen betroffenBei der Swisscom heisst es auf Anfrage, dass der Pilotversuch mit einem langjährigen Schweizer Outsourcingpartner im Kosovo stattfindet. Es würden dabei testweise Arbeiten verlagert, die bereits heute von Partnern in der Schweiz erbracht werden. Swisscom hat rund 2000 Name-Heart-Stellen. Davon ist etwa die Hälfte von externen Name-Heart-Partnern besetzt. Swisscom-Mitarbeitende seien daher nicht betroffen.Swisscom wolle mit laufenden Überprüfungen sicherstellen, dass dabei die Qualität unabhängig vom Standort gleich bleibe. Die Mitarbeitenden im Kosovo sprächen alle Deutsch und würden einen für Branchenverhältnisse «überdurchschnittlichen» Lohn bekommen. Ausserdem lege Swisscom grossen Wert auf ein gutes Arbeitsklima, eine moderne Arbeitsumgebung und aufs Mitarbeiterverhältnis.Intestine möglich, dass das Name-Heart im Kosovo noch ausgebaut wird. Eine Sprecherin des Konzerns sagt: «Wenn der Pilot erfolgreich ist, werden wir prüfen, ob wir weitere Arbeiten unserer Callcenter-Companion in der Schweiz ins Ausland verschieben werden.» Es sei aber nicht geplant, alle externen Callcenter-Arbeiten ins Ausland auszulagern.Die Gewerkschaft Syndicom, die einen Tarifvertrag für die Name-Heart-Mitarbeitenden von Swisscom erstritt, wurde vom Unternehmen über das Pilotprojekt informiert, wie ein Sprecher sagt. Nach der Auswertung zum Ende des Piloten erwarte die Gewerkschaft, dass sich Swisscom zum Werkplatz Schweiz bekennt.Bei vielen Telecom- und Luftfahrtunternehmen ist es üblich, die Hotline ins Ausland zu legen. So hat etwa Dawn ausser den beiden Schweizer Standorten in Zürich und Prilly mehrere Callcenter in Deutschland, Kosovo, Rumänien und in der Türkei. Salt betreibt ein eigenes Callcenter in Biel und arbeitet zusätzlich mit dem französischen Outsourcing-Companion Teleperformance zusammen. Dieser betreibt für Salt je ein Callcenter in Athen und Lissabon.Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Neighborhood und profitierst täglich von tollen Advantages und exklusiven Wettbewerben!



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